Impressionen einer bewegten Geschichte

 

Der Heinrichshof blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Bis zur Wende wurde der märkische Vierseitenhof als  Bauerngehöft genutzt, danach entwickelte er sich zur beliebten Adresse für Gäste aus Nah und Fern.

 

   

 

 

 

   Epochenüberblick

 

1824

Ersterwähnung des Gehöfts im Grundbuch

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1936

Heinrich Liefeldt sen. erwarb den Heinrichshof und führte in Folge die insgesamt 200 Morgen große Landwirtschaft. Der Vierseitenhof diente u. a. der Tierhaltung und der Lagerung von Getreide.

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1945

Die Flüchtlingswelle erreichte den Bauernhof, in einem Teil des Hauses wurde ein Lazarett für Verwundete und Verletzte eingerichtet.

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bis 1957

Heinrich Liefeldt sen. gelang es trotz der russischen Besatzung und der Gründung der DDR, seinen landwirtschaftlichen Betrieb im Privatbesitz zu halten und ihn sogar noch weiterzuentwickeln.

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1957

Nach dem Tod von Heinrich Liefeldt sen. übernahm sein Sohn Heinrich das Gehöft und gründete auf Grund der aktuellen Erfordernisse zusammen mit 8 weiteren Familien die LPG Neumarkt. Im Heinrichshof entstand der erste LPG-Hauptsitz.

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bis 1989

Bis zur Berentung war Heinrich Liefeldt Vorstandsvorsitzender der LPG. Er prägte dabei nicht nur das Ansehen des familiären Gehöfts, sondern auch das des Agrarstandortes Jüterbog. Seine Leistungen zur Entwicklung der Region und des Pferdesports sind bis heute legendär.

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1990

Mit der Wende eröffnete Heinrich Liefeldts Tochter Karin ihren Gewerbebetrieb Heinrichshof - die ehemaligen Stallung wurden für einen Getränkemarkt und eine Gaststube umgebaut.

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2000

Erstmals begrüßte Hofchefin Karin Liefeldt Übernachtungsgäste auf dem Heinrichshof. Zunächst standen Zimmer mit Etagendusche im Nordflügel des Hauses zur Verfügung.

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2005

Der Heinrichshof öffnet erstmals seine Tore für Fest-Veranstaltungen, die sich bei einem breiten Publikum fest etablieren konnten. Ein buntes Heimatprogramm (Freiluft-Theateraufführung, Bildergalerie, Sängerwettbewerb, Hofmarkt, Tombola, etc.) lockt neben rustikaler Verpflegung und stimmungsvoller Musik jedes Mal aufs Neue zahlreiche Besucher auf den Hof.

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2006

Der Heinrichshof feierte mit einem großen Hoffest sein 70jähriges Bestehen. Unter den Gästen waren Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns und rbb-Moderatorin Angela Fritzsch.

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2007

Pünktlich zum Festakt des 1000jährigen Bestehens der Stadt Jüterbog wurden in der oberen Etage des Südflügels weitere Zimmer eingeweiht. Die Gäste konnten nun auch in Zimmern mit Dusche/WC übernachten.

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2010 / 2011

Der Heinrichshof wurde weiterentwickelt und weiter ausgebaut. Der Getränkemarkt wurde geschlossen, die alte Scheune  abgerissen. Im Erdgeschoss des Südflügels sowie im neu errichteten Ostflügel entstanden zusätzliche Zimmer mit Dusche/WC sowie die "Remise" mit Wintergarten.

 

   Entwicklungen

Familie Liefeldt erwarb den "Heinrichshof"

 

Grundlage für die historische Betrachtung des "Heinrichshofes" ist das Jahr 1936. Es ist das Jahr, in dem sich Heinrich Liefeldt sen. (1898-1957) entschloss, von dem Dorf Frankenförde bei Luckenwalde nach Jüterbog, genauer gesagt auf den Neumarkt überzusiedeln (der Neumarkt war damals noch eigenständiges Dorf, seit den 1950er Jahren ist er eingemeindeter Stadtteil Jüterbogs).

Der ursprüngliche Familiensitz und damit der Standort der eigenen landwirtschaftlichen Flächen musste für die Erweiterung des regionalen Truppenübungsplatzes aufgegeben werden. Der Umzugsgedanke löste bei den Kindern Heinrich, Rosa und Flora Begeisterung aus, es herrschte Freude über den Wechsel vom tristen Alltag auf dem Land hin zum Stadtleben. Für Familienoberhaupt Heinrich Liefeldt sen. wurde die angedachte Umsiedlung jedoch schnell zur logistischen und wirtschaftlichen Herausforderung. Nach dem ein geeigneter Hof auf dem Neumarkt gefunden war, konnte die groß angelegte Überführung beginnen. Zwei Gehöfte mussten dazu fast ein Jahr lang besetzt bleiben, um die Aberntung der Altfelder beziehungsweise den Transport aller Tiere, Maschinen und Gerätschaften durchzuführen. Da zu dieser Zeit die von Familie Liefeldt betriebene Landwirtschaft im Familienverband organisiert wurde, musste jede anstehende Tätigkeit präzise geplant werden. Aus diesem Grund blieben die jüngste Tochter Rosa und Großmutter Emilie in Frankenförde, hüteten ihre alte Heimat, während der Rest der Familie mit den Arbeiten in Jüterbog begann.

Als der lange Umzug endlich vollzogen war, machte sich die Familie mit vereinten Kräften auf, die neue Landwirtschaft mit rund 200 Morgen zu bewirtschaften. Der neu erworbene Vierseitenhof wurde neben dem Wohnhaus auf der Westseite vorwiegend für die Tierhaltung genutzt. Ein Pferdestall im Nordflügel, ein Kuh- und Schweinestall im Südtrakt charakterisierten den Bauernhof genauso wie Heuböden über den Ställen und die große Scheune zur Lagerung von Stroh, Getreide und anderem bäuerlichem Nutzgut.

 

 

 

 

 

Familienportrait Ende der 30er Jahre: Familienoberhaupt Heinrich Liefeldt sen. (2. von rechts) mit Frau Bertha (2. von links) und den Kindern Flora, Rosa und Heinrich

 

 

 

 

Aufwendige Umsiedlung:

Der 8jährige Heinrich während der Umzugsphase auf einem Leiterwagen

 

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Schwere Zeiten: Da die Männer an der Front waren, musste der landwirtschaftliche Betrieb von den Frauen aufrechterhalten werden. Hier Rosa Liefeldt (links) bei der Arbeit auf dem Hof.

 

Der Bauerhof während der Kriegstage

 

Mit dem Beginn des Krieges stellten sich schwere Zeiten ein. Heinrich Liefeldt sen. musste den frühen Tod seiner nur 46jährigen Frau Berta hinnehmen, Sohn Heinrich wurde kurze Zeit später zur Armee berufen. Anfang 1945 konnte die Familie dann miterleben, wie die einsetzende Flüchtlingswelle Jüterbog und den eigenen Bauernhof erreichte. Auch andere aktuelle Erfordernisse bestimmten das Gehöft, so wurde im April 1945 beispielsweise ein Lazarett im Heinrichshof eingerichtet. Die Töchter Flora und Rosa, die zufuhr die Arbeiten der verstorbenen Mutter übernommen hatten, wurden nun als Helferinnen für Verwundete und Verletzte eingesetzt.

 

Die familiär geführte Landwirtschaft nach der DDR-Gründung -

Die Ära Heinrich Liefeldt

 

Mit der russischen Besatzung und der Gründung der DDR begann eine neue, nicht weniger schwierige Situation für Land und Leute. So stand das Regime des Arbeiter- und Bauernstaates großbäuerlichen Aktivitäten nicht sehr gesonnen gegenüber. Trotz aller Hindernisse gelang es Heinrich Liefeldt sen. dennoch, seinen landwirtschaftlichen Betrieb erfolgreich zu führen und sogar noch weiter zu entwickeln.

Mit seinem Tod 1957 übernahm traditionsgemäß der Sohn des Hauses, Heinrich Liefeldt (1924-2004), das Gehöft. Kurze Zeit später gründete er zusammen mit 8 anderen Familien die LPG Neumarkt, zu deren Vorstandsvorsitzenden er auf Grund einer großen Vertrauensbasis gewählt wurde. Bis zu seiner Berentung  wurde er in seiner Funktion mehrfach bestätigt.

Das Engagement von Heinrich Liefeldt galt besonders der Entwicklung und Positionierung der Jüterboger Agrarregion. Ähnlich wie sein Vater musste er für seine Ziele kämpfen, denn die vorgeordneten politischen Instanzen gingen mit seinen Vorstellungen nicht immer konform. Doch dies war kein Grund für den Landwirt, der zeitlebens für sein hervorragendes fachliches Wissen geschätzt und geehrt wurde, Auseinandersetzungen zu scheuen. Ganz im Gegenteil: Heinrich Liefeldt konnte durch seine großartigen Ergebnisse, die er für alle LPG-Mitglieder erzielte, überzeugen. Neben dem zeitlich großen Engagement für das Wohl von Betrieb und Mitarbeitern galt seine Leidenschaft dem Pferdesport. Die Begeisterung der Jugend für die Pferde zu fördern, war ihm immer ein großes Bedürfnis.

 

Änderungen mit der Wende: Von der Landwirtschaft zu neuen Nutzungsformen

 

Der Renteneintritt Heinrich Liefeldts und damit verbunden das Ausscheiden aus seinem Amt 1989 fiel in den Beginn der Wendezeit. Das familiäre Gehöft stand wie alle großen Bauernhöfe vor einer gewaltigen Herausforderung, neue Nutzungsarten mussten gefunden werden. So entschloss sich Heinrichs jüngste Tochter Karin, den Hof zu übernehmen und ihn Gästen aus Nah und Fern zugänglich zu machen. Mit Stolz gegenüber der eigenen erlebnisreichen Familiengeschichte benannte sie ihren neu eröffneten Gewerbebetrieb (zunächst bestehend aus einem Getränkemarkt und einer Gaststube) natürlich nach den Begründern des Hofes, die nun mal Heinrich hießen.

Als Mitte der 1990er Jahre vom Land Brandenburg und vom Landkreis Teltow-Fläming die Signale zur Entwicklung des Tourismus gesetzt wurden, stellte sich auch Hofchefin Karin Liefeldt auf diese neue Orientierung ein und baute die ersten Zimmer für Übernachtungsgäste aus. Mit den Jahren entwickelte sie zusammen mit Sohn Christian den märkischen Vierseitenhof zu einem erfolgreichen Hotel. Ein Blick ins Gästebuch dokumentiert das Wohlfühlen der Gäste sowie ihre Begeisterung für die schöne Region des Flämings und das Streckennetz der "Flaeming-Skate".

Seit 2005 öffnet der Heinrichshof regelmäßig seine Tore für Hoffeste, die sich bei einem breiten Publikum fest etabliert haben. Die in diesem Rahmen zur Tradition gewordenen Auftritte des Jüterboger Seniorentheaters unter der Leitung von Friedrich Hildebrandt begeisterten die Zuschauer ebenso wie ein kleiner Hofmarkt von einheimischen Gewerbetreibenden, eine Tombola mit attraktiven Preisen, eine Bildergalerie der Künstlerin Kerstin Paeth oder die Suche nach dem „Heimatstar“ - einem Gesangswettbewerb mit  jungen Talenten des Jüterboger Goethe-Schiller-Gymnasiums.

Im Jahr 2006 stand ein besonderes Ereignis auf dem Programm: Familie Liefeldt feierte das 70jährige Bestehen des Heinrichshofes. Zahlreiche Besucher, unter ihnen etliche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien hatten sich zu dem großen Jubiläumsfest eingefunden. Auch Ulrich Junghanns, Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg, war gekommen, um seine persönlichen Glückwünsche zu überbringen.

 

 

Generationenwechsel: Heinrich Liefeldt (links) übernimmt nach dem Tod seines Vaters (rechts) das Gehöft. (Foto: 1942).

 

 

 

Technische Neuheiten in der Landwirtschaft: Knechte und Mägde mit einer der ersten Dreschmaschinen der Region auf den Feldern der Familie Liefeldt am Anfang der 50er Jahre..

 

 

Leidenschaft für den Pferdesport: Heinrich Liefeldt bei seinem sonntäglichen Training

(Foto: 1974).

 

 

Die Tore für Besucher geöffnet: Die Fest-Veranstaltungen des Heinrichshof erfreuen sich großer Beliebtheit.

 

 

70 Jahre Heinrichshof: Hofchefin Karin Liefeldt feierte zusammen mit vielen Besuchern 2006 das Jubiläum im Rahmen eines großen Hoffestes.

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